13. Mai 2019

Das Duale System

Ich pflege an einem gemütlichen Sonntag meine Gedanken zu sortieren, mich auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten und natürlich auch liegen gebliebenes abzuarbeiten. Dabei schreibe ich so vor mit hin, nutze die gewonnene Freiheit, mich meinen Themen frei von Zensur zu widmen. Dies geschieht, während meine Kinder mit Lego bauen, tagtrinkend bei einem Glas Weissburgunder von Erich-Schönleber. So far, so good.

Medien vs. Arbeitgeber

Was mich in der vergangenen Woche nachhaltig beschäftig hat, ist die große Kluft zwischen medialer Berichterstattung großer Printmedien zum Thema „Ausbildung in der Gastronomie“ und dem Leid, den mir gute Gastgeber klagen. Sie bekommen keine Auszubildenden für das kommende Jahr. Keine heißt: es meldet sich niemand/niente/nada. Nicht an der Mosel, nicht in Velbert, nicht im Schwarzwald.

Alle Möglichkeiten

Dabei haben junge Menschen, die die harte Zeit der Lehre und des Dualen Systems überstehen, alle Möglichkeiten. Jetzt werden einige denken: ja, ja, ja. red´ Du ma´. Aber nein, ich meine alle Möglichkeiten: Sie finden sofort einen neuen Job in Sternegastronomie, im Schwarzwald, in den Alpen, auf Sylt oder in Schweiz. Sie können Ihre Konditionen verhandeln und sich das bestmögliche Gesamtpaket eines Arbeitgebers auswählen. Recruiter und Headhunter stehen Schlage um bei der Auswahl an potenziellen Arbeitgebern behilflich sein zu dürfen. Dabei ist es nicht ausschlaggebend ob man die Ausbildung zum Koch oder zum Restaurantfachfrau/-mann abgeschlossen hat. Das ist doch mal eine gute Perspektive, wenn man diese vielfältige Welt der Gastronomie liebt. Doch schaffen es wenige Journalisten und die schwarzen Schafe unserer Branche ein Bild der Ausbeutung zu malen, was neue Talente abschreckt in unsere Welt einzutauchen. Es fehlt hier klar eine Lobby, die sich gegen diesen Generalverdacht zu wehr setzt. Es sind nicht alles Ausbeuter, es wird nicht nur geschimpft und geschrien. Nein, der Ton hat sich geändert. Mittlerweile ist eine ganz neue Generation von Gastgebern herangewachsen, die anderen Werte leben und genau wissen, dass Ihr gutes und eingespieltes Personal über wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Säge nicht an dem Ast auf dem Du sitzt.

Zeitgemäß

Doch zurecht stelle ich die Frage, ob das Duale System für Teile der Gastronomie so noch zukunftsfähig ist. Nehmen wir zum Beispiel die Ausbildung zum Restaurantfachmann/-frau: Hier wird in zwei Jahren vermittelt, was nach gut und gerne 3 Monaten bereits komplett vermittelt ist. Warum soll sich ein Arbeitnehmer in Zeiten des Mindestlohn mit einer Lehre und dem geringen Lehrgeld zufrieden stellen, wenn er nach ein paar Wochen Einarbeitung als ungelernte Kraft das dreifache zzgl. Trinkgeld verdienen kann? Erstens findet in vielen Schulen im Jahr 2015 keine Ausbildung zum Restaurantfachmann/-frau statt, da sich einfach nicht genügend Interessenten einschreiben und die Klassen nicht ausreichend besetzt sind. Zweitens gibt es Arbeitgeber, wie Stefan Schneck, die eine Ausbildung im Service nicht mehr unterstützen. In einem Interview in der 24hGastlichkeit hat er gesagt:“ Das Fachliche ist eigentlich echt wenig, wenn man ehrlich ist. In zwei bis drei Monaten haben sie das drauf und dann noch 18 Monate lang eine billige Arbeitskraft zu beschäftigen, damit habe ich Schwierigkeiten.“

Gastronomie ist nicht gleich Gastronomie

Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Vielleicht müssen Reformen in unserem Ausbildungssystem sein. Vielleicht müssen wir zwischen der Sternegastronomie und der Breitengastronomie in Anbetracht auf Anforderung und Niveau in der Ausbildung unterscheiden. Wir als Personalberater und Recruiter können sofort 60 Auszubildende für Küche und Service vermitteln. In Betriebe, die nicht ausbeuten und an einer fachlichen und qualifizierten Ausbildung interessiert sind und ein Sprungbrett für eine Karriere in der bunten Welt der Gastronomie bieten können.

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